Fünf Schritte zum Ball-Boden-Draw

Einleitung

Mir ging es vor 35 Jahren wie Ihnen: Mein Ball flog nicht, wie er sollte, also habe ich Golfbücher gelesen. Eines nach dem anderen. Aber wenn ich ehrlich bin, habe ich in keinem dauerhaft befriedigende Antworten gefunden. Also habe ich mein Leben der Frage gewidmet, wie man als mittelbegabter Amateur möglichst schnell besser trifft. Dabei entstanden ein gutes Dutzend Bücher. Das letzte Technik-Buch für Amateure liegt allerdings zwanzig Jahre zurück. Inzwischen habe ich beim Unterrichten von etwa zehntausend Golfern viel gelernt. In jeder Golfstunde analysiere ich knapp hundert Schwünge mit meinem Videosystem, das mir genau zeigt, was wirklich passiert ist. Diese Erkenntnisse ermöglichen mir ein Verständnis der Golftechnik und -didaktik, das ich mir damals als Amateur gewünscht hätte. Die Pros auf der Tour brauchen dieses Wissen nicht unbedingt, denn die haben so viel Talent, dass sie den Schläger intuitiv richtig an den Ball bringen. Wenn Sie aber als mittelbegabter Hobbygolfer den Ball unbefriedigend treffen, führt der schnellste Weg zum Erfolg über das Verständnis der Technik — vor allem Ihrer Technik. Nur so können Sie herausfinden, an welchen Schrauben Sie drehen müssen, wenn es wieder einmal nicht läuft.

Oft höre ich die Aussage: »Ich weiß, was ich falsch mache, aber ich kann es nicht umsetzen.« Für die schlechte Umsetzung werden dann meist »mentale Gründe« verantwortlich gemacht: mangelnde Konzentration, zu viel Denken, zu großer Perfektionismus, zu viel Ehrgeiz und so weiter. Wenn jedoch die Analyse falsch ist, nützt es wenig, sich über die Umsetzung den Kopf zu zerbrechen. Frage ich Schüler mit mittleren Vorgaben am Anfang ihrer ersten Stunde mit mir, wie sie sich diesen oder jenen Fehlschlag erklären, dann bekomme ich mit wenigen Ausnahmen entweder keine Antwort oder eine falsche. Das ist auch keine Schande, denn die Golftechnik ist komplex. Aber der erste Schritt zur Verbesserung besteht darin, sich einzugestehen, dass man Wissens- und Erkenntnislücken hat.

Wie unterscheidet sich nun dieses Buch von anderen Golfbüchern — auch meinen vorigen? Ich beschreibe hier nicht den optimalen Schwung, so wie wir ihn vielleicht auf der Tour sehen. Auch nicht den, von dem ich denke, dass er noch besser wäre. Ich sehe nämlich jeden Tag, dass genau dieser Ansatz nicht zum Ziel führt. Ein Beispiel:
Ich frage meine Schüler zu Beginn der Stunde, was ihr Ball macht, wenn er nicht so fliegt wie er soll. Darauf erhalte ich sehr oft Antworten wie »ich beuge meine Arme zu stark« oder »ich drehe die Hüften zu wenig«. Das zeigt mir, wie bewegungsfixiert die meisten Golfer sind und dass sie offensichtlich glauben, sie müssten nur lernen, so zu schwingen wie die Pros, um auch so zu treffen wie die Pros. Das Problem dabei ist, dass Ihnen die Zeit ausgehen wird. Die besten Spieler der Welt brauchen etwa zehn Jahre bis ihre Bewegung dem Optimum nahe kommt. Die schlagen aber an sechs Tagen in der Woche täglich hunderte Bälle und machen im Jahr höchstens einen Monat Pause. Außerdem sind diese Spieler koordinative Genies. Es gibt auch viele Tourspieler, die gar nicht dieses Ziel haben. Denen ist das Aussehen ihrer Bewegung egal. Wenn es mal nicht läuft, drehen solche Spieler an so kleinen Schräubchen, dass man die Veränderung von außen nicht wahrnehmen kann.

Ein neutraler Schwung verspricht übrigens auch nicht immer mehr Konstanz als einer mit vielen Kompensationen: Nehmen wir den Golfer, der beim Ausholen den linken Arm beugt und im Abschwung wieder streckt oder den, der beim Ausholen kleiner wird und im Abschwung wieder größer. Ich habe nicht die Erfahrung gemacht, dass sich die Konstanz verbessert, wenn er sich diese Eigenarten abgewöhnt. Im Gegenteil: Er muss sich zunächst die neue Bewegung aneignen und außerdem die damit verbundene neue Feinkoordination. Überdies wird der Ball den Unterschied der verschiedenen Bewegung nicht bemerken, wenn die Treffmomentfaktoren gleich bleiben.

Es gibt deshalb ein viel lohnenderes Ziel als die perfekte Bewegung und das ist der perfekte Treffmoment. Mit Ausnahme der Schlägerkopfgeschwindigkeit können Sie alle Treffmomentfaktoren so hinbekommen wie die Pros. Warum sollten Sie es auch nicht schaffen, den Ball mit dem Sweetspot zu treffen und dabei die Schlagfläche im Treffmoment in die richtige Richtung zeigen und schwingen zu lassen?

Jetzt werden Sie vielleicht sagen: »Mir gelingt das ja auch, aber einfach nicht oft genug.« Tatsächlich ist der Glaube sehr verbreitet, dass der eigene Schwung nur zu inkonstant sei und man die guten Schwünge einfach häufiger wiederholen müsste. Die Bewegungen der Amateure sind jedoch mit Ausnahme der wirklichen Anfänger erstaunlich konstant. Bei den zirka zehn Schlägen, die ich mir zu Beginn jeder Stunde mit einem neuen Schüler anschaue, kann ich häufig den einen nicht vom anderen unterscheiden, auch wenn die Schlagresultate ganz verschieden ausfallen. Der Schwung des Hobbygolfers ist also nicht inkonstant — mal richtig mal falsch —, sondern konstant falsch. Seine Divots zeigen beispielsweise permanent zu weit links am Ziel vorbei. Oder wer löffelt, tut das bei jedem Schwung. Manchmal variiert das Löffeln je nach Schläger —mit kürzeren mehr, mit längeren weniger —, aber mit einem bestimmten Schläger ist es immer gleich. Deshalb hat der Löffler eigentlich nie Ball-Boden-Kontakte, sondern trifft entweder dünn oder fett und schlägt im besten Falle ein gut getroffenes Eisen ganz ohne Divot. Ein Ball-Boden-Draw gelingt ihm nie.

Aber selbst wenn man die Treffmoment-Faktoren im Auge hat, wäre es nicht sinnvoll, gleichsam chronologisch vorzugehen und einen Faktor nach dem anderen zu perfektionieren, bis alle acht stimmen. In diesem Buch stelle ich Ihnen mit den fünf Schritten die Reihenfolge vor, die zu unmittelbaren Verbesserungen führt.